Weniger langweilige OER erstellen. Teil 1: Elemente der Gamifizierung.

Streng genommen geht es in dieser Reihe von Blogposts nur um eine ganz spezielle Untergruppe von OER – es geht um Selbstlernkurse.
Also Lernmaterialien, die von den Lernenden zu selbstgewählten Zeiten und in selbst bestimmtem Tempo absolviert werden. Es gibt keine äußeren Strukturen, keine (sichtbaren) Mitlernenden, keine Möglichkeit Zwischenfragen zu stellen oder direktes, persönliches Feedback zu erhalten.

Und auch, falls man sich das Thema ebenfalls selbst auswählen konnte (was nicht bei jeder Online-Schulung der Fall, aber im Kontext von WiNoDa wahrscheinlich ist), braucht es eine ganze Menge intrinsische Motivation, um sich neben der eigentlichen sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung, Forschung, Arbeit, Betreuung, Familie und Sport an einem Dienstagabend durch einen Kurs zu klicken, statt die knappe “Freizeit” zu genießen.

Das wissen auch die Kursersteller:innen im WiNoDa Team, und deshalb haben wir überlegt, wie wir eine dem Thema angemessene Informationsdichte für unsere Zielgruppe angemessen aufbereiten. Wir könnten einfach PDFs mit langen Fließtexten voller Fachtermini einstellen – wir wissen, dass die Community damit umgehen kann. Aber will sie das, was ihr so oft beruflich begegnet, auch noch nach Feierabend? Welche Möglichkeiten gibt es also, weniger langweilige Kurse zu erstellen?

Darüber haben wir im letzten Jahr in einer Serie von internen Workshops diskutiert.
Eine Lösung wäre Gamification.
Unter Gamification versteht man die Nutzung typischer Elemente und Prinzipien aus der Welt der (Video-)Spiele in anderen Kontexten. Dazu zählen Punkte & Ranglisten (Leaderboards), Level&Fortschrittsbalken, Belohnungen (Badges&Trophäen), Quests&Challenges.
Wir haben uns jedoch sehr schnell gegen eine breite Gamifizierung unserer Lehrmaterialien entschieden und nur wenige dieser Elemente übernommen.

Punkte führen zu Assoziationen mit Prüfungen und Noten. Unsere Quizzes sollen aber ein Feedbackinstrument sein – das ist verstanden, hier sitzt der Stoff noch nicht so gut. Jedes Quiz kann so oft wiederholt werden, bis alles sitzt. Die nächste Lektion ist nicht von einer bestandenen Prüfung abhängig. Also, keine Punkte, keine Bestehensnoten.
Ranglisten führen dazu, sich mit anderen zu vergleichen – und Vergleich macht unglücklich. Es mag Personen geben, deren Ehrgeiz geweckt wird. Aber persönliche Weiterbildung ist kein Wettbewerb. Außerdem: Datenschutz. Es geht niemanden etwas an, wer sonst noch denselben Kurs absolviert, in welchem Tempo und mit welchem Ergebnis.

Das Kurs-Level hingegen geben wir natürlich an. Wer bereits fortgeschrittene Kenntnisse hat, soll sich nicht mit einem Grundkurs langweilen. Umgekehrt soll niemand mit Themen oder Übungen konfrontiert werden, deren Grundlagen völlig neu für sie/ihn sind. Daher bemühen wir uns für alle unsere Kurse um eine transparente Beschreibung des Niveaus, der Lernziele und ggf. aufeinander aufbauender Inhalte. Die Einstufung überlassen wir den Teilnehmenden – sie werden sicher selbst bemerken, ob sie über- oder unterfordert sind.

Fortschrittsbalken sind nützlich, wenn man umfangreiche Materialien durcharbeiten soll. Wir lassen für jeden Moodle-Kurs anzeigen, ob die hinterlegten Aktivitäten erledigt wurden. Leider steht unsere Entscheidung, alle Inhalte eines Kurses/Kursteils in einem einzigen H5P-Kursportfolio zu bündeln, und die weitere Entscheidung, ursprünglich monolithisch geplante Kurse als Serie modularisierter Einzelkurse anzubieten, dem etwas entgegen. Nun ja. Es gibt ja Seitenzahlen….

Quests & Challenges – nun ja. Wir bemühen uns um die Integration von praxisnahen Übungen, und das kann möglicherweise herausfordernd sein. Vielleicht muss man auf einer Webseite eine Information recherchieren, um die richtige Lösung für ein Quiz angeben zu können – aber zählt das schon als Quest? Wir nutzen auch unsere Personas als Identifikationsfiguren, aber das macht sie nicht zu Avataren…

Screenshot einer WiNoDa-Kurs-Quizseite mit einer H5P-Multiple-Choice Aktivität. Die korrekte Antwort ist grün hinterlegt mit einem grünen Haken. Am unteren Rand endet ein grüner Balken in einem Sternchen und der Anzeige, dass man 1 von 1 richtigen Antworten gegeben hat.
Visuelle “Belohnung” einer H5P-Aktivität.

Belohnungen. Die schönste Belohnung ist das erworbene Wissen. Ja klar – trotzdem freuen sich auch viele Erwachsene noch über das Äquivalent von Fleißkärtchen, Smileys und Stempelchen. Zum Glück bieten alle H5P-Quiz-Elemente ein integriertes Schulterklopfen in Form eines grünen Häkchens oder gold-gelben Sternchens. Häufig lässt sich auch ein automatisierte Feedback einfügen. Gut gemacht!

Badges nutzen wir ebenfalls, aber nicht als Sammelkarte oder Belohnung. Sie sind mit einer Liste der Lernziele (laut Lernzielmatrix) verknüpft, die im absolvierten Kurs behandelt wurden. Erworbene Badges werden in der Navigationszeile angezeigt. Durch Anklicken lässt sich die Liste der Lernziele anzeigen. So erhalten Teilnehmende eine transparente Übersicht über die vermittelten Inhalte.
Auf (virtuelle) Trophäen hingegen haben wir komplett verzichtet. Wer möchte oder es braucht, kann aber ein Zertifikat (mit Verifizierungscode) herunterladen.

Screenshot eines WiNoDa Moodle Badges mit der Liste der verbundenen Lernziele.
Beispiel für ein Badge in einem WiNoDa Online-Kurs.

Das Schlüsselwort für unsere Entscheidungen bezüglich der Einbindung von Gamifizierungselementen ist natürlich das oben zweimal erwähnte Wörtchen “angemessen”. Die Angemessenheit – das Aptum – ist in der antiken Rhetoriktheorie der Schlüssel zum Erfolg. Bei einer in Alter, Disziplin und inhaltlichem Vorwissen uns vollständig unbekannten, aber wahrscheinlich sehr heterogenen Gruppe von Teilnehmenden mussten wir einen Mittelweg finden zwischen akademisch (aber nicht trocken) und spielerisch (aber nicht albern).

Im Seminarraum kann ich Niveau, Beispiele und das “Register” meines Kurses flexibel anpassen – im etwas luftleeren Raum eines unbegleiteten Online-Kurses geht das nicht.
Und schon bei uns im Team gab es sehr unterschiedliche Präferenzen und Vorstellungen. Das wird sich auch in den unterschiedlichen Kursen abbilden. Im Endeffekt haben wir alle ein bisschen geraten, was Ihr wohl erwartet – und hoffen, wir liegen richtig.
Schreibt Euch gerne ein, probiert es aus und lasst uns wissen, ob es für Euch funktioniert!

WiNoDa Selbstlern-Kurse findet ihr unter www.moodle.winoda.de
(Registrierung erforderlich.)
Bisher veröffentlicht:
- The Basics of Automatic Text Recognition (ATR). Ein Einführungskurs in vier Teilen. Geschätzte Dauer: 4-6 Stunden (für alle vier Teile).
- Legal Frameworks for Data Acquisition in Fieldwork. Einführungskurs. Geschätzte Dauer: ca. 1 Stunde.

Alle Kursmaterialien sind auf Englisch.

Unless otherwise stated, all content is published under cc-by 4.0. Suggested citation:
Schröder, Asta von. (2026). Weniger langweilige OER erstellen. Teil 1: Elemente der Gamifizierung.. WiNoDa Knowledge Lab. https://winoda.de/2026/05/28/weniger-langweilige-oer-erstellen-teil-1-elemente-der-gamifizierung/ (Accessed on Juni 1, 2026 at 04:25)
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