Ab ins Feld: Lebensräume von Kleinsäugern erkunden


Ende Juli war es soweit! Nach monatelanger Vorbereitung, Planung, Absprachen mit dem Forschungsteam, Einladungen, Zu- und Absagen ging es endlich los und wir – Karolin, Nuria, Cora – machten uns von Berlin aus auf den Weg zur WiNoDa Summer School. Unter dem Titel „Ecology Field Training: Data Collection and Analysis at Lower Oder Valley“ haben wir gemeinsam einen 5tägigen Workshop für 20 Teilnehmende geplant. Ziel war der Nationalpark Unteres Odertal, ca. 100 km nordöstlich von Berlin direkt an der deutsch-polnischen Grenze entlang der Oder gelegen. Unsere Unterkunft für die nächsten Tage war die Wildnisschule Teerofenbrücke, die mitten im Nationalpark liegt; allein die Anreise dorthin war für einige bereits ein Abenteuer – die nächstgelegene Bushaltestelle ist 2 km durch den Wald entfernt. Sobald alle angekommen waren, haben wir uns je zu viert auf die kleinen Holzhütten verteilt.

Die Teilnehmenden der Summer School


Am Nachmittag gab es nach Willkommensworten von Karolin eine Einführung in den Nationalpark durch Dr. Jana Chmieleski von der Nationalpark-Verwaltung. Sie hat über die Besonderheiten des Nationalparks berichtet, zum Beispiel über das Wasser- und Überflutungsmanagement, sodass am Ende alle einen guten Überblick darüber hatten, in welchem besonderen Naturraum wir die nächsten Tage unterwegs sein werden. Im Anschluss haben wir die Teilnehmenden spielerisch in einige der Methoden eingeführt, die wir in den kommenden Tagen anwenden werden. Abends hat Cora zum Abschluss des ersten Tages alle auf einer Wiese direkt am Ufer der Oder versammelt. Zunächst haben wir in einem Redekreis unsere Intentionen und Erwartungen miteinander geteilt und uns somit besser kennen gelernt. Danach wurden in Zweiergruppen Wahrnehmungsübungen durchgeführt, die den Blick auf die Natur um uns herum stärken und eine ganzheitliche Verbindung zu den Pflanzen hervorbringen sollte.


An Tag 2 ging es los mit der Vorbereitung für un­ser eigentliches Ziel der Summer School – die Habitaterfassung verschiedener Flächen, die in den vorherigen Jahren von einem deutsch-polnischen Forschungsteam auf Kleinsäuger untersucht worden ist. Dafür hat Nuria die Teilnehmenden zunächst theoretisch in die Arbeit mit QField eingeführt. Sie hat wochenlang in Absprache mit dem Forschungsteam eine App in QField entwickelt, die wir für unseren speziellen Anwendungsfall nutzen können. Nachdem alle Teilnehmenden die App auf ihren eigenen Handys installiert hatten, ging es endlich „raus ins Feld“ zur ersten Untersuchungsfläche, die direkt an die Wildnisschule grenzt. Dort haben die Teilnehmenden in Kleingruppen alle Methoden getestet und geprüft, ob die mobile Datenerfassung in QField funktioniert oder noch nachgebessert werden muss (ja, war nötig!).


Am Nachmittag hat uns das Kleinsäuger-Forschungsteam dann besucht und uns erklärt, wie die Feldarbeit mit Kleinsäugern funktioniert (hier liegt der Fokus auf Mäusen, Wühlmäusen und ­Spitzmäusen) und welche Daten sie wo, wann, und wie genau in den letzten Jahren erhoben haben und auch dieses Jahr erheben werden. Wer dazu mehr erfahren möchte, kann sich gerne dieses Video anschauen oder erfährt hier mehr. Da die Tiere nachtaktiv sind, fängt auch die Feldarbeit erst mit Eintritt der Dunkelheit an – um 19 Uhr werden die Lebendfallen geöffnet und dann müssen sie alle 2 Stunden kontrolliert werden. An diesem Abend hatte die erste Hälfte der Teilnehmenden die tolle Möglichkeit, das Forschungsteam zu begleiten und hautnah mitzuerleben, wie aufwendig die Feldarbeit mit Kleinsäugern ist. Zunächst gab es bei der Unterkunft des Forschungsteams, ca. 30 Minuten Autofahrt von unserer Unterkunft entfernt, eine kurze Einführung und die verschiedenen Arten wurden mithilfe von präparierten Sammlungsobjekten aus dem Museum für Naturkunde Berlin gezeigt. Danach haben wir uns aufgeteilt und sind zu den verschiedenen Untersuchungsflächen – eine lag im Wald, die andere war mit Schilf bewachsen – gefahren, um die Lebendfallen um 21 Uhr auf gefangene Tiere zu überprüfen. Wenn ein Tier in einer Falle ist, wird dieses behutsam gewogen, vermessen und markiert, bevor es wieder freigelassen wird. Der gesamte Untersuchungsvorgang durch die erfahrenen Wissenschaftler*innen dauert nur wenige Augenblicke, um den Stress für die einzelnen Tiere möglichst gering zu halten. An diesem ersten Abend wurde in der ersten Schicht, die wir begleitet haben, tatsächlich kein einziges Tier gefangen. Spannend und informativ war der Ausflug dorthin trotzdem für alle!


Am dritten Tag wartete das eigentliche Highlight: die Teilnehmenden sind in 3er Gruppen zu den verschiedenen Untersuchungsflächen losgezogen – zu Fuß, mit dem Rad oder mit dem Auto. Alle waren gut vorbereitet, um je 5 verschiedene Punkte innerhalb einer bestimmten Untersuchungsfläche anzusteuern und dort wichtige Merkmale der Fläche zu erfassen – z.B. Bewuchs, Baumumfang, dominante Arten. All das sind wichtige Informationen, um zu untersuchen und zu verstehen, welche Habitate die Kleinsäuger bevorzugen und diese möglichst schützen und erhalten zu können. Die Teilnehmenden hatten dabei mit einigen Hürden zu kämpfen, manche Flächen standen knöcheltief unter Wasser, andere Flächen waren eingezäunt oder dicht mit Brombeergestrüpp bewachsen. Trotz aller Hindernisse hat die Habitaterfassung gut funktioniert und die Teilnehmenden kehrten nach einem langen Tag erschöpft zur Wildnisschule zurück. Abends ging es dann für den zweiten Teil der Gruppe zu dem Forschungsteam, um die Feldarbeit zu begleiten.

Der vierte und letzte Tag stand ganz unter dem Zeichen der Datenübertragung und -speicherung. Alle erfassten Daten mussten in QGIS übertragen werden, um sie zu sichern und weiter damit arbeiten zu können. Bei der Menge an Daten und Menschen kann das ein sehr langwieriger Prozess sein, der aber unabdingbar ist. Danach gab es einen Exkurs unserer extra angereisten Kollegin Katja in die Welt des Public Engagements, in dem die Teilnehmenden gelernt haben, wie wichtig und hilfreich das Einbeziehen der Öffentlichkeit an allen Stellen des Datenlebenszyklus sein kann. Zum Abschluss des offiziellen Teils des letzten Tages hat uns das gesamte Kleinsäuger-Forschungsteam besucht und wir haben Beobachtungen und erste Ergebnisse ausgetauscht und es entstanden interessante Diskussionen darüber.

Zum Abschluss dieser intensiven Zeit sind wir am letzten Abend nach einem gemeinsamen Barbecue am Lagerfeuer zusammengekommen, haben Erlebnisse geteilt, Geschichten erzählt und den Sternenhimmel bewundert. Am nächsten Morgen haben wir uns zu einer letzten Feedbackrunde am Ufer zusammengefunden – die Rückmeldung: es war eine tolle Zeit und wir haben viel gelernt! Das können wir aus WiNoDa nur bestätigen und zurück geben 😊

Unless otherwise stated, all content is published under cc-by 4.0. Suggested citation:
Albrecht, Cora. (2026). Ab ins Feld: Lebensräume von Kleinsäugern erkunden. WiNoDa Knowledge Lab. https://winoda.de/2026/08/26/ab-ins-feld-lebensraeume-von-kleinsaeugern-erkunden/ (Accessed on August 27, 2026 at 23:57)
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