[Seminarreihe] Die Wiederanbindung des kulturellen Erbes: Digitale Infrastruktur für Provenienz, gemeinschaftliches Wissen und Entschädigung

„Digital Benin“ ist ein internationales Projekt im Bereich der Digital Humanities, das verstreute Sammlungen, Archivunterlagen und Abbildungen königlicher Artefakte aus dem Königreich Benin zusammenführt und einen beispiellosen Überblick über Objekte bietet, die im späten 19. Jahrhundert von britischen Truppen geplündert wurden und sich heute in Museen auf der ganzen Welt befinden. Aufbauend auf einer fünfjährigen Zusammenarbeit mit mehr als 250 Institutionen und Dutzenden von Fachpartnern sammelt das Projekt nicht nur Daten, sondern rückt auch die Provenienzforschung, das Wissen der Gemeinschaft und Wege zur Rückgabe in den Vordergrund.
Aus dieser Arbeit entstand Ọkpan – Origin Knowledge Platform for Assembled Narratives, eine Open-Source-Software, die entwickelt wurde, um strukturelle Herausforderungen im Bereich der Kulturerbedaten anzugehen. Ọkpan ermöglicht es Institutionen und Herkunftsgemeinschaften, Museumsdatensätze zu verknüpfen und anzureichern, ohne die Originaldatensätze zu verändern, und dabei indigene Sprachen, mündlich überlieferte Geschichten und gemeinschaftsbasiertes Wissen zu integrieren. Ọkpan stellt die Herkunftsgemeinschaften als primäre Wissensträger in den Mittelpunkt und fördert gemeinsam erarbeitete Erzählungen, die fragmentierte Objektgeschichten über Sammlungen und geografische Grenzen hinweg wieder miteinander verknüpfen.
Dieses Seminar bietet eine Einführung in „Digital Benin“ und „Ọkpan“, stellt deren konzeptionelle Grundlagen, technische Merkmale und ethischen Rahmen vor und erörtert, wie digitale Infrastruktur die Rückgabe von Kulturgütern, geteilte Entscheidungsbefugnisse und verantwortungsvollere Formen der Kulturerbe-Verwaltung unterstützen kann.
Referentin: Dr. Anne Luther (Institute for Digital Heritage / Digital Benin)
Sprache: Englisch
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Bildnachweis: DigitalBenin.org, 2026
