Open-Science-Kompetenzen in den objektzentrierten Disziplinen der Erd- und Menschheitsgeschichte

Ergebnisse der Studie „Open-Science-Kompetenzen von Forschenden objektzentrierter Daten in der Erd- und Menschheitsgeschichte“

Für den Arbeitsschwerpunkt Open Science im Projekt WiNoDa wurden Haltungen, Erwartungen und Kompetenzbedarfe zu offener Wissenschaft erhoben. Nachfolgend stellen wir einige der Ergebnisse kurz vor.

Kontext

Zunächst ist festzuhalten, dass Open Science von Forschenden der Erd- und Menschheitsgeschichte als überwiegend positiv bewertet wird. Als Vorteile werden unter anderem größere Transparenz, verbesserte Nachvollziehbarkeit, interdisziplinäre Zusammenarbeit und gesellschaftliche Relevanz wissenschaftlicher Arbeit benannt. Zugleich zeigt sich jedoch weiterhin eine deutliche Lücke zwischen den normativen Anforderungen der Open-Science-Bewegung, wie sie sich beispielsweise in den UNESCO-Recommendations aus dem Jahr 2021 zeigen, und der tatsächlichen Umsetzung und auch Umsetzbarkeit im Forschungsalltag. 

Um dieses Spannungsfeld besser zu verstehen und gezielt Kompetenzen zu fördern, die für die Praxis offener Wissenschaft erforderlich sind, wurde im Rahmen von WiNoDa von Februar bis Juli 2025 die qualitative Studie „Open-Science-Kompetenzen von Forschenden objektzentrierter Daten in der Erd- und Menschheitsgeschichte“ durchgeführt. In sechs leitfadengestützten Interviews mit Expertinnen und Experten aus den Disziplinen der Erd- und Menschheitsgeschichte wurden zentrale Bedarfe an Open-Science-Kompetenzen identifiziert. Der Fokus lag auf Forschenden, die in der objektzentrierten und datenintensiven Forschung tätig sind, und beispielsweise mit materiellen Sammlungsobjekten, Grabungsfunden, geowissenschaftlichen Proben oder digitalisierten Artefakten arbeiten.

Ergebnisse

Die Ergebnisse zeigen, dass die Realisierung offener Wissenschaft in diesen Disziplinen ein breites Spektrum an übergreifenden, technischen und disziplinspezifischen Kompetenzen erfordert. Übergreifend zeigen sich Bedarfe an grundlegenden digitalen Fähigkeiten, an Daten- und Informationskompetenzen sowie an einem sicheren Umgang mit rechtlichen und ethischen Fragen der Offenlegung und Nachnutzung von Forschungsergebnissen. 

Deutlich wird zudem, dass ein einheitliches Verständnis zentraler Open-Science-Konzepte oft fehlt und Unsicherheiten im Umgang mit unterschiedlichen Openness-Begrifflichkeiten bestehen. Von zentraler Bedeutung ist zudem die Fähigkeit, die Abwägung zwischen der Einhaltung der FAIR-Prinzipien und den Anforderungen der CARE-Prinzipien verantwortungsvoll zu gestalten, um sowohl Offenheit als auch den Schutz sensibler Daten zu gewährleisten. Darüber hinaus zeigen die Ergebnisse einen Bedarf an institutioneller und curricularer Unterstützung und Vermittlung von relevanten Kompetenzen sowie an zeitlichen Ressourcen während der akademischen Ausbildung und im Verlauf der wissenschaftlichen Karriere.

Im Bereich Open Data und diesbezüglichen Datenkompetenzen bestehen erhebliche Bedarfe, um die Umsetzung von Open-Science-Praktiken zu gewährleisten. Herausforderungen zeigen sich hier insbesondere in der ganzheitlichen Planung und Dokumentation sowie der Öffnung des Forschungsprozesses, in der strukturierten Aufbereitung heterogener Datenbestände sowie im sicheren Umgang mit Metadatenstandards, offenen Lizenzmodellen und sensiblen Forschungsdaten. Ebenso fehlen vielfach Kenntnisse zur semantischen Modellierung und nachhaltigen Archivierung von Forschungsdaten, die eine langfristige Nachnutzbarkeit gewährleisten. Das Forschungsdatenmanagement bildet damit innerhalb einer Kompetenzhierarchie die Grundlage für eine offene Wissenschaft, auf der weiterführende Open-Science-Konzepte aufbauen.

Auch im Bereich Open Source (Software) bestehen deutliche Kompetenzbedarfe. Besonders relevant sind Kenntnisse über Open-Source-Lizenzen, reproduzierbare Workflows, Versionierungssysteme und grundlegende Programmierkenntnisse, etwa in R oder Python. Zudem erfordert das Konzept Open Source Kompetenzen für eine transparente Dokumentation und Zitation der für die Analyse verwendeten Quellcodes, um Nachvollziehbarkeit und Reproduzierbarkeit wissenschaftlicher Arbeit sicherzustellen. 

Im Zusammenhang mit Open Access besteht bereits ein ausgeprägtes Bewusstsein für die Relevanz offener Publikationsformen, gleichzeitig jedoch ein uneinheitliches Verständnis der zugrunde liegenden Modelle und rechtlichen Rahmenbedingungen. Erforderlich sind den Ergebnissen der Studie nach, fundierte Kenntnisse zu Open-Access-Strategien, zu Zweitveröffentlichungsrechten sowie zu Creative-Commons-Lizenzen. 

Im Bereich des Open Peer Review, insbesondere von Textpublikationen und Forschungsdaten, lassen sich ebenfalls spezifische Kompetenzbedarfe identifizieren, die besonders Wissen über offene Begutachtungsformate und Rollenverständnisse im Reviewprozess betreffen. Hinzu kommen Forderungen an geeigneten Anreizsystemem sowie Bedarfe an Kompetenzen zu konstruktivem Feedback und Reflexionsfähigkeit im wissenschaftlichen Dialog. 

Für Citizen Science und Public Engagement ergeben sich Kompetenzanforderungen wie Wissen und Fähigkeiten zur Planung und Durchführung partizipativer Forschung und demnach Kenntnisse im kollaborativen Projektmanagement, außerdem kommunikative und moderative Kompetenzen sowie die Vermittlung digitaler Kompetenzen und Tools an Bürgerinnen und Bürger. 

Fazit

Insgesamt verdeutlichen die Ergebnisse der Erhebung, dass Open Science in den objektzentrierten Disziplinen der Erd- und Menschheitsgeschichte ein ganzheitliches Zusammenspiel fachlicher, technologischer und disziplinübergreifender Kompetenzen erfordert. Forschende, die in der objektzentrierten und datenintensiven Forschung tätig sind, benötigen besonders Kompetenzvermittlungsangebote im Bereich des Forschungsdatenmanagements, der strukturierten Datenaufbereitung, für den Umgang mit sensiblen Daten, in der semantischen Datenmodellierung und in der nachhaltigen Dokumentation sowie wissenschaftlichen Kommunikation. Das Datenkompetenzzentrum WiNoDa adressiert diese Bedarfe gezielt. Die Ergebnisse der Studie fließen unmittelbar in die Konzeption und Weiterentwicklung von Schulungs- und Vermittlungsangeboten ein, um Forschende systematisch bei der Entwicklung offener, transparenter und kollaborativer Wissenschaft zu unterstützen.

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Kobialka, Sophie. (2025). Open-Science-Kompetenzen in den objektzentrierten Disziplinen der Erd- und Menschheitsgeschichte. WiNoDa Knowledge Lab. https://winoda.de/2025/11/28/open-science-kompetenzen-in-den-objektzentrierten-disziplinen-der-erd-und-menschheitsgeschichte/ (Accessed on November 30, 2025 at 20:06)
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